Heft II – Genetischer Kommentar



Das Heft führt RM parallel zu Kriegstagebuch I im Ersten Weltkrieg an der Italienischen Front. Es beginnt mit einem Rückblick auf Fronterlebnisse und Eindrücke beim Transport des schwer Erkrankten mit Kriegsverwundeten, die er möglicherweise bald nach seiner Genesung , also im April/Mai 1916 notiert hat. Am 14. März 1916 wird Musil, an Stomatitis, Gingivitis und Pharyngitis erkrankt, zunächst nach Corvara, weiter nach Bruneck in Südtirol und von dort am 20. März nach Innsbruck überwiesen. Am 14. April verlässt er mit dem »Permanenten Krankenzug« das Innsbrucker K.u.K. Reserve-Spital in Richtung Prag und erreicht am 8. April 1916 das Vereinsreservespital des Roten Kreuzes Prag-Karolinenthal. Nach der Genesung und der Versetzung nach Bozen zum dortigen »Höchstkommando« (= Heeresgruppenkommando (HGK) Generaloberst Erzherzog Eugen) mit 20. April 1916, wahrscheinlich durch Vermittlung seines Freundes Maximilian Becher. entstehen Aufzeichnungen zum Dienst-Tagebuch der Erzherzöge Rainer und Leopold, zu Offiziersgesprächen und zur Redakteurstätigkeit bei der Soldatenzeitung. Ab 8. Juni 1916 ist RM Redakteur der Soldatenzeitung, ab 8. Oktober im Impressum als verantwortlicher Redakteur ausgewiesen; dies regt ihn zum szenischen Entwurf Der kleine Napoleon an, Ausflüge von Bozen aus zur späteren Novelle Die Portugiesin. Seine freie Zeit widmet er außerdem der Arbeit am Drama Die Schwärmer. Während der Stationierung an der Isonso-Front in Adelsberg notierte Beobachtungen fließen später in Slowenisches Dorfbegräbnis ein. Ab Anfang 1918 lernt RM in Wien die „zivile Kehrseite“ des Krieges kennen und sein Roman, der spätere Mann ohne Eigenschaften, nimmt eine um die Kriegserfahrung und eine historisch-politische Komponente erweiterte Gestalt an (vgl. Die doppelte Bekehrung). Zugleich gibt Heft II ab 1918 Einblick in die literarische Verarbeitung der Erlebnisse und Beobachtungen in den Kriegsjahren.