Knapp ein halbes Jahr nach Musils Anstellung als Redakteur der Neuen Rundschau und seinen Bemühungen um die junge literarische Avantgarde, darunter Franz Kafka, wird Österreichs Kriegserklärung an Serbien im Juli 1914 von ihm, wie von vielen seiner intellektuellen Zeitgenossen, durchaus willkommen geheißen. Er meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst und wird als Landsturmleutnant, wenig später Oberleutnant, zur Grenzsicherung der Südfront eingesetzt. In der Zeit bis 1918 kommt sein literarisches Schreiben, bis auf gelegentliche Arbeit an dem Dramenprojekt, fast völlig zum Erliegen. Er führt jedoch zwei Kriegstagebücher, die erhalten sind, so wie auch ein umfangreiches Konvolut von Briefen Martha Musils an ihren Gatten aus der Zeit, in der der Krieg sie von ihm trennt. Als Adjutant im 169. Landsturm-Infanterie-Bataillon wird RM zunächst zur Grenzsicherung gegen Italien eingesetzt, von November 1914 bis Jänner 1915 in Sulden-Trafoi, im Feber 1915 in Levico und von Mai bis August im Fersental. Ab September 1915 ist RM an Kriegshandlungen beteiligt, im Valsugana und Mitte Dezember 1915 an der 4. Isonzoschlacht; anschließend an der Sicherung der Front zwischen Cima Vezzena und Barco-Selva im Valsugana; ab 27. Februar 1916 am Stellungskrieg im Kampfabschnitt Arabba. Nach einer schweren Erkrankung und einem Lazarettaufenthalt in Prag ab Mai 1916 wird Musil nach Bozen in die Redaktion der Tiroler Soldaten-Zeitung überstellt und wirkt ab März 1918 im Kriegspressequartier in Wien als verantwortlicher Schriftleiter der patriotischen Zeitschrift Heimat.
Dokumente
Lawinenabgang an der Dolomitenfront; aus: Tiroler Soldatenzeitung. Nr. 179-181, 20. Juni 1916, S. 3 der Beilage
Hauptmann Robert Musil ca. 1918 mit seinen Auszeichnungen: Bronze Militärverdienstmedaille, Ritterkreuz des Franz-Josephs-Ordens, Kaiser-Karl-Truppenkreuz
Quellen und Literatur
- Dinklage 1960, 225-233
- Corino 2003, 497-592
- Walter Fanta: Musils Militärkritik






